STOLZEMBOURG

St.-Odo-Kirche
Pfarrkirche der Pfarrei Stolzemburg
Erbaut 1885

Das Dorfbild von Stolzemburg prägen das auf der Anhöhe erbaute, neuzeitliche Schloss mit dem sich am Fusse des Schlossberges anlehnenden Kirchengebäude. Der von der alten Kirche (1761) erhaltene massive Turm weist hin zur 1885 erbauten Kirche.
Erstes Gotteshaus in Stolzemburg war wahrscheinlich die Burgkapelle. Dann folgten:
1585 Abtrennung von der Pfarrei Hosingen. Die Pfarrei besass damals eine grössere Kapelle, die dem hl. Pankratius geweiht war.
1761 Vergrösserung oder Neubau der Kirche. Neuer Kirchenpatron wird nun der hl. Odo.
1885 Baujahr der heutigen Pfarrkirche.
1955 Renovierung der Kirche. Errichtung des Campanile und Weihe zwei neuer Glocken.
1957 Anschaffung einer Orgel und deren Weihe.

Das Äussere der Pfarrkirche.
Neben der zur Kirche führenden Treppe steht links der wuchtige Turm der alten Kirche.Er birgt den früheren neugotischen Taufstein und die eindrucksvolle Grabplatte aus Schiefer des 1832 in Stolzemburg verstorbenen Pfarrers Franz Kalbusch.
An der rechten Seite der Haupttreppe befindet sich ein Gedenkstein mit Bild und Inschrift des aus Stolzemburg stammenden ehemaligen Bischof von Oslo Msgr Jacques Mangers (1889 - 1972).

Die Vorderseite der höher gelegenen Kirche überragt ein 1955 erbauter zweistufiger Campanile, der ein schlichtes Kreuz trägt. Zu den im alten Turm vorhandenen Glocken wurden zwei neue hinzugehängt, so dass ein vierstimmiges Glockengeläute in den Tönen La, Do, Mi, Fa, frei schwingend, weithin feierlich erklingt.
Unterhalb dem Campanile belebt ein Doppelfenster die Vorderwand der Kirche, deren Mitte ein Rundfenster prägt.
Der Kircheneingang ist nach dem Stil des Portals einer Basilika geformt. Seitlich der Tür tragen zwei Säulen ein Bogenfeld (Tympanon ähnlich), in dessen Mitte ein Grafitto erscheint: Christus umgeben beidseitig von einem Bischof. Links erscheint die heutige Kirche in Miniatur und verweist auf den Kirchenpatron, den hl. Odo, rechts sieht man wahrscheinlich den hl. Eligius, den Nebenpatron.
Je vier Fenster gliedern das Kirchenschiff, je ein Fenster den Chor. Links am Chor ist die Sakristei mit angebautem Eingangsraum angebaut.

Das Kircheninnere.
An das von vier eckigen Strebebögen aufgegliederte Schiff schliesst sich der mit Kreuzrippen der früheren Kirche erbaute gotische Chor an. Sowohl das Schiff als auch den Chor umgibt ein prägnanter Rundgang.
 

In den farbig verglasten Kirchenfenstern der linken Seite befinden sich die Darstellungen der hl. Theresia von Lisieux, der hl. Lucia und der hl. Anna, auf der rechten Seite diejenigen des hl. Georg, des hl. Pirminus und des hl. Hubertus.Der Entwurf hierzu stammt von Croat (vor 1955). Das rechte Chorfenster ziert das Wappen des Papstes Pius XII., das linke das Wappen des damaligen Bischofs Joseph Philippe, das rechte Fenster an der Empore jenes von Bischof Jacques Mangers, das linke jenes von Bischof Leo Lommel.

An den Strebebogen befinden sich folgende Heiligenstatuen: rechts der hl. König Ludwig IX. (+1270), der hl. Joseph und eine unbekannte Heilige, links eine unbekannte Heilige, die Trösterin und eine unbekannte Heilige.
Der rechte Seitenaltar im Barockstil birgt die Statuen des hl. Eligius, immer Nebenpatron, und des hl. Johannes Nepomuk; der linke jener der Kirchenpatrone, des hl. Odo, Hauptpatron in Bischofsgestalt und des hl. Pankratius in römischer Kleidung.
Die Heiligen der Seitenaltäre sind typische Landheilige. Pankratius, Eisheiliger (Fest am 12. Mai), ist der Schützer der jungen Saat und der Blüten, die jeweils der späte Nachtfrost in dem nach Norden ungeschützte Tal wegraffte, Odo, seit 1761 Hauptpatron der Kirche, war 2. Abt des Klosters Cluny (+942) und leitete die Reformbewegung der Klöster, worauf das Buch in seiner linken Hand verweist. Gab der Neubau der Kirche von Stolzemburg Anlass ihn zum ersten Patron einer immer zu reformierenden (Buch), weil bedrohten (Untier zu seinen Füssen) Kirche zu erwählen? Der hl. Eligius (+1.12.660), ist Patron der Goldarbeiter und Schmiede, aber auch der Bauern, die ihn bei Pferdekrankheiten anriefen. Er trägt in der rechten Hand Zange und Hammer. Der hl. Johannes von Nepomuk (+1393) wurde in Prag von der Karlsbrücke in die Moldau gestürzt wegen der Verteidigung der Kirchenrechte und der Verweigerung, das Beichtgeheimnis zu brechen.Der Brückenheilige gilt als Helfer in Wassernot. Bekanntlich überschwemmte vor dem Bau der Staumauer die reissende Flut der Our weite Teile des Tales und bedrohte öfters die naheliegenden Häuser.

Links steht der barocke Predigtstuhl mit markanten Reliefs der vier Evangelisten.

Bedeutende Keramikwerke des Künstlers Leo Nosbusch aus Pütscheid (+1979) prägen weithin das Kircheninnere. Ein eindrucksvolles Hängekreuz bildet den Mittelpunkt der Apsis, auf der Tabernakeltür leuchtet farbenfroh die Szene der Begegnung Jesu mit der Samariterin am Jakobsbrunnen.
Eine imposante Abendmahldarstellung ziert die Vorderseite des 1955 geschaffenen Altars im renovierten Chorraum. In den wuchtigen Charakterköpfen der Apostel sind leidgeprüfte Männer der Nachkriegsjahre aus der Pfarrei verewigt, die treu zum Glauben und zur Heimat standen.

Die Kirchenwände zieren ein Kreuzweg, ebenfalls in Keramikreliefs desselben Künstlers.
An der Empore hängt des weiteren eine mit Liebe geschaffene Kriegsgedenktafel.

Die Empore, 1936 errichtet und vor 1955 neu gestaltet, trägt eine schlichte Orgel (1957) mit sieben Registern, gebaut von der Lintgener Orgelwerkstatt unter der damaligen Leitung von Georg Haupt.

 

Bischof Mgr Jacques Mangers

1. Jugendjahre

Am 19. März 1889 wurde Jacques Mangers in Stolzemburg geboren. Als ältestes Kind muss Jacques mithelfen in Haus und Feld. Nach der Schulentlassung verbringt er einige Jahre in Pütscheid, Walsdorf und Erpeldingen zur Aushilfe in Bauernbertrieben. Seinem Wunsch Priester zu werden widerspricht seine Mutter mit Tränen in den Augen. Es fehlen die Geldmittel.

2. Ein Traum beginnt sich zu verwirklichen.

Mit Unterstützung einiger Priester stellt er 1908 mit 19 Jahren in Differt (Belgien) an der Apostolischen Schule der Maristenpatres vor. Einige Stolzemburger wirkten als Maristen in den Missionen. Die erste Enttäuschung: Pater Rektor befindet den kräftigen Jacques geeignet als Klosterbruder. Doch Jacques besteht darauf zum Studium zugelassen zu werden. Nach anfänglichen Misserfolgen studiert er eifrig und Dank Nachhilfestunden überspringt er ein Klassenjahr und reiht sich unter die Klassenersten ein. Das Abschlussexamen besteht er 1913 in Paris.

3. Eintritt in den Maristenorden.

Als Vorbereitung zum Ordensleben beginnt Jacques im September 1913 in Santa-Fe (Italien) das Noviziat. 1914 erfolgt die Ablegung der Ordensgelübde für drei Jahre.

4. Vorbereitungsjahre zum Priestertum.

Der erste Weltkrieg war ausgebrochen, eine Heimkehr unmöglich und Santa-Fe zu klein. Er zieht nach Paris in das Seminar der Maristenpatres St. Thomas d'Aquin und studiert Philosophie am Institut Catholique. Das Seminar wird 1916 aufgehoben. Er kommt zur Fortsetzung der Studien nach Rom und legt am 27. Dezember 1917 die ewigen Gelübde ab.Nach dem Erwerb des Doktorgrades in Philosophie und Theologie empfängt Pater Jacques Mangers am 3. April 1920 in der Lateranbasilika die Priesterweihe. Am 4. Juli 1920 feiert der Neupriester in Stolzemburg die Primizmesse.

5. Assistent und Professor.

Pater Jacques Mangers wollte als Missionar nach Ozeanien in das Missionsgebiet der Maristen ziehen.Doch 1917 erfolgt seine Ernennung zum Assistenten des Novizenmeisters in Hulst (Holland) und zum Professor der Philosophie. Von 1921-1925 wirkt er zur Ausbildung der Maristen im St. Olafkloster in Glanerberg (Holland), das der Orden von den Redemptoristen übernahm.

6. Der Missionswunsch geht in Erfüllung.

J.O. Smit, Apostolischer Vikar von Norwegen, ehemaliger Utrechter Professor, ersucht im St. Olavkloster, das den norwegischen heiligen König (+1030) verehrt, um Missionare für das protestantische Norwegen. "Ich kenne Sie nicht" schreibt er dem Pater Rektor von St.Olav, "ich weiss aber dass Ihr Kloster dem heiligen Olav, unserem Nationalheiligen, geweiht ist. Sollte das nicht ein Fingerzeig Gottes sein, dass Ihr Kloster sich entschliesst, dem Land des hl. Olav Missionare zu schicken?"
Pater Jacques Mangers hofft nun auf die Verwirklichung seiner Missionssehnsucht und wendet sich sofort an den Generaloberen. Dieser gibt 1924 seine Zustimmung. Die Maristen sollen in Haugesund wirken.
Am 24. Juni 1925 kommt der neue Missionar, nach Erlernung der norwegischen Sprache, zur ersten Kontaktnahme nach Bergen. 1926 zieht er nach Haugesund, einem Fischerhafen mit fast 18.000 Einwohnern, davon nur einige Katholiken. Ein weiterer Maristenpater unterstützt ihn. Es wird eine Zeit schwieriger Missionsarbeit mitten der abweisenden protestantischer Bevölkerung. 1931 wird er zum Pfarrer von Stavanger mit 47.000 Einwohner ernannt. Hier wird er von der Bevölkerung angenommen und geachtet.

7.Apostolischer Vikar.

1932 erfährt der Missionar und Pfarrer Mangers bei einem Heimataufenthalt in der Zeitung seine Ernennung zum Apostolischen Vikar in Oslo. Sofort reist er zur Nichtigkeitserklärung der Ernennung nach Rom. Umsonst! Papst Pius XI. sagte ihm: "Ich wollte auch nicht Papst werden. Gehen sie nur. Es geht schon."
Am 24. August 1932 wird er in der Kathedrale von Luxemburg zum Bischof konsekriert.
Am Kirmessonntag, den 11. September 1932 zelebriert Bischof Mgr Jacques Mangers ein feierliches Pontifikalamt in der Stolzemburger Pfarrkirche.
Am 18. Dezember 1932 übernimmt er in Oslo sein Amt als Apostolischer Vikar. Das Pfarrhaus in Oslo wird umgebaut, ein Vereinssaal errichtet. Neue Missionsstationen werden gegründet, neue Schulen gebaut sowie Spitäler.
Nun sorgt er für den Neubau von Kirchen in Haugesund (1933), Kristiansand (1935), Hamar (1939), für Kapellen in Stofjord (1936), und (1937) am Krankenhaus in Bergen.
Die Besetzung Norwegens durch Hitlers Armee am 9. April 1940 brachte dem Apostolischen Vikar manche Schwierigkeiten, denen er sich geschickt widersetzte. Nach dem Krieg wird er für seinen patriotischen Einsatz mit dem St. Olavorden durch König Haakon VII. ausgezeichnet.

8. Erster Bischof nach der Reformation in Norwegen.

Nach 1536 wurde die Reformation in Norwegen durchgeführt, die Bischöfe verhaftet, die Klöster aufgehoben und die Kirchengüter eingezogen. Die lutherische Staatskirche war nun allein zuständig für die religiösen Belange.
Erst 1843 wurde eine katholische Gemeinschaft staatlich anerkannt, 1845 freie Religionsausübung gewährt und seit 1897 sind Ordensniederlassungen erlaubt. 1868 konstituierte sich eine Apostolische Präfektur, 1892 ein Apostolischer Vikariat unter dem Luxemburger Bischof Joh.B.Falliz (1887-1921/+1933).
1954 feierte Norwegen die Errichtung der ersten Kirchenprovinz vor 800 Jahren. Das Apostolische Vikariat von Oslo wurde nun zum Bistum erhoben und Bischof Jacques Mangers der erste Bischof Norwegens seit 400 Jahren. "Ut omnes unum sint" (Alle sollen eins sein) lautet sein Wappenspruch und drückt die Sorge um die Einheit des christlichen Glaubens aus. Der Wappenstern über dem Marien-Monogramm verweist auf den Maristenorden, der Löwe aus dem Stamm Juda erinnert an den Norwegischen und Luxemburger Löwen, die drei gebündelten Pfeile an den Tod des heiligen Olav. Weitere Kirchen erstehen in Arendal, Stavanger, Stabekk, Tonsberg, Mariaholm, Kapelle Mariaholm und die Hallvardskirche in Oslo.
Jedes Jahr besucht der Diözesanbischof wenigstens zweimal alle Pfarreien.
" Er ist immer der leutselige, väterliche, frohe, bescheidene und kluge Verwalter gewesen."

9. Der Lebensabend. 

1964 verlässt Bischof Mangers im Alter von 75 Jahren Norwegen und nimmt Wohnung im Zitha-Kloster von Luxemburg. Bereitwillig erfüllt er weiterhin jeden an ihn gerichteten Dienstauftrag.
Am 7. Januar 1972 scheidet Mgr Jacques Mangers aus dem reich gefüllten Leben und wird in Bissen im Elterngrab beigesetzt.

 

Das Bischof-Denkmal vor der Kirche, das Bischof-Memorial und der Bischofwappen im Glasfenster in der Kirche ehren den Heimatbischof.

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